Das Volk der Cham in Vietnam

28. November 2008

Für alle kulturinteressierten Urlauber stellt dieses Volk und seine Hinterlassenschaften ein interessantes Beschäftigungsfeld und Ausflugsziel bei einem Besuch Vietnams dar. Besonders in Danang, My Son oder Phan Rang (auf halber Strecke zwischen
Mui Ne
und Nha Trang) lassen sich die Spuren zurückverfolgen.

Die Cham waren vor allem im Zentrum Vietnams sowie in Kambodscha angesiedelt. Sie errichteten ihr Königreich mit dem Namen Champa, welches zwischen dem 2. und 15. Jh. bestand. Ihre Blütezeit bestand zwischen dem 6. und 10. Jh. als sie den gesamten Gewürzhandel Südostasiens kontrollierten. Sie verfügten zudem über weitreichende Handelsbeziehungen, so nach Indien, Arabien, China und Japan und besaßen darüber hinaus eine beträchtliche Seeflotte. Aufgrund ihres nicht zu unterschätzenden Einflusses stellten sie eine Gefahr für umliegende Völker dar. Von daher standen sie in häufigen Konflikt mit dem Volk der Khmer, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Chams standen. So wuchs ihnen die Bedrohung durch die Khmer im 10./11. Jh. über den Kopf und sie mussten sich für eine zeitlang geschlagen geben. Nach einer Phase der erfolgreichen Wiedergewinnung von Unabhängigkeit folgten erneute Auseinandersetzungen sowohl mit den Khmer als auch einen neu hinzugekommenen Gegner, den Annamiten (Annam ist der alte chinesische Name für Vietnam). Diese besiegten die Cham entgültig im 15. Jh. und Champa wurde dem vietnamesischen Reich einverleibt.

Noch heute leben Anhänger des Volkes in Vietnam und bilden mit 100 000 - 150 000 Cham eine der zahlreichen Minderheiten Vietnams. Sie unterscheiden sich von den anderen Einwohnern durch ihre Kleidung und ihr abweichendes Aussehen. Ihre Haut ist dunkler und das Haar lockiger. Auch ihre Sprache und Schrift unterscheidet sie von allen anderen Vietnamesen durch ihre malaio-polynesischen Grundlage und steht in der Tradition ihrer Kultur.

Die Religion der Cham lässt sich dem Hinduismus zuordnen. Diese Tatsache ist bedingt durch den Einfluss Indiens bei der Entstehung des Königreichs Champa. Die Anhänger huldigten ihrem Gottkönig, der sich selbst als eine Inkarnation des Gottes Shiva betrachtete und dem neben Vishnu und Brahma die meisten Tempel dieser Kultur gewidmet wurden. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass die heutigen Cham zum Islam konvertiert sind.

Ihre religiösen Wurzeln prägen auch das Bild der Cham Architektur. Von den unzähligen Kultstätten sind heute nur noch wenige so gut erhalten, dass sich ein anschauliches Bild für den Betrachter bietet. Zu den schönsten zählt ohne Zweifel die Tempelstadt My Son, die von der UNESCO zum Weltkutlurerbe erklärt wurde. Einst zierten diesen Ort 70 Sakralbauten, die den Übergang der Bauart von Holz- zu Ziegelbauten repräsentiert. Heute können jedoch nur noch 20 dieses beeindruckenden Gebäude gezählt werden, da der Vietnamkrieg auch hier seine Opfer forderte. Daher ist es ausdrucklich zu vermeiden von den gekennzeichneten Wegen abzuweichen, da das Gebiet immernoch vermint ist!
Besonders beeindruckend ist die Komposition dieser alten Bauten und den darüber wachsenden Moosen, Ästen und anderem Grün. Diese verleihen dem Ort etwas magisches und erwecken den Eindruck einer ausgestorbenen, heiligen Stadt. Bei einem Rundgang fallen einem besonders die erhabenen Tempeltürme, Kalan genannt, auf. Sie stehen in der Vorstellung der Cham für den Weltenberg Meru, dieser ist Sitz der Götter und zugleich Mittelpunkt der Erde. Die Ausrichtung dieser Kalane erfolgt nach Osten zur aufgehenden Sonne, im seltenen Fall nach Westen zwecks Ehrung eines verstorbenen Königs. Verschlossen wurden solche Türme mit Holztüren, von denen Spuren im Türrahmen noch zu erkennen sind. Die Dekoration der Gebäude ist der Nennung wert. Dort ranken sich Pflanzenornamente zusammen mit Szenen von Musikern, Tänzerinnen oder Tierdarstellungen.

Neben My Son können Phan Rang und Nha Trang ebenfalls mit Zeugnissen dieser außergewöhnlichen Kultur glänzen. In Nha Trang befindet sich der Po-Nagar-Tempel etwas außerhalb des Zentrums auf einen Hügel. Er ist der Schutzgöttin Po Nagar nach benannt, die als Fruchtbarkeitsgöttin und Gemahlin des Gottes Shiva gilt. Prägnant erhebt sich der sogenannte Nordturm 23 m empor und ist damit einer der Blickpunkte der Anlage. Im Inneren des Tempels erwartet einen die 10armige Gottheit Po Nagar, die den ganzen Ort noch mystischer erscheinen lässt.
Bei Phan Rang befindet sich die Anlage Po Klong Garai, die schon durch ihren Standort hoch oben auf einen Hügel imposant wirkt. Sie kennzeichnet sich durch 4 Ziegeltürme und ist wohl im 13./14. Jh. errichtet worden. Im Gebiet um Phan Rang leben die meisten der heutigen Anhänger der Cham Kultur, allerdings in recht ärmlichen Verhältnissen.

Falls der Urlaub für einen Zwischenstopp in Nha Trang oder Phan Rang nicht ausreicht, sollten sie zumindestens das Cham Museum in Danang besucht haben. Dort können sie  ca. 300 Ausstellungsstücke bestaunen, besonders die Abbilder der hinduistischen Gottheiten beeindrucken den Besucher.
Das Museum vermittelt einen sehr guten Eindruck in das Volk der Chams und ehrt damit dieses vom Aussterben bedrohte Volk, was doch einen fest verankerten Bestandteil der Geschichte und Kultur Vietnams ausmacht.

 

Stephanie Trappe

Kategorie: Kulturelles